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Erfurt, Angermuseum

Eröffnungsrede von Hajo Schiff, Hamburg
Regine Bonke: Vom Denken im Raum - Konkrete Papierobjekte

Nach den einführenden, präzisen Charakterisierungen durch Professor Schierz fällt es schwer, noch viel Neues über die Arbeiten von Regine Bonke zu sagen, zumal die Künstlerin ja auch nicht das erste Mal hier in Erfurt zu sehen ist. So sei eher allgemein etwas über die Kunstrichtung gesagt, der dieses Werk zuzurechnen ist: Die Konkrete Kunst. Auch die ist in dieser Stadt nicht ganz unbekannt, gibt s doch mit dem „Forum Konkrete Kunst“ in der Peterskirche ein eben dieser Kunst gewidmetes Museum – und dort hat Regine Bonke auch schon ausgestellt. Und in der 6-Pass-förmigen Brunnenschale aus dem Peterskloster hier unten in der großen Halle hat sie nun schon mal zwei Quadrate positioniert und mit Blei und Acryl die alte Form besetzt.

Lassen Sie uns einmal darüber nachdenken, ob das Interesse für Konkrete Kunst etwas mit den Gedanken der Reformation zu tun hat. Erfurt ist ja eng mit dem Leben Martin Luthers verknüpft. Wenn man eine deutliche Beziehung zwischen dem Protestantismus und der Konkreten Kunst postuliert, gibt schon die geographische Lage der entsprechenden Museen oder Ausbildungsorte erste Hinweise: Von Otterndorf an der Niederelbe bis Zürich und zu den protestantischen Orten in Baden-Württemberg, wie Reutlingen und vor allem Ulm. Einzige Ausnahme ist das Museum für konkrete Kunst in Ingolstadt. Insgesamt aber scheint die Konkrete Kunst gut zu einer lutherisch oder reformiert geprägten Kultur zu passen.

Vertieft wurde dieser Gedanke einst in der Ausstellung „Luther und die Folgen für die Kunst“, die der große Werner Hofmann 1984 in Hamburg ausgerichtet hat – Regine Bonke fing damals gerade an, als freischaffende Künstlerin auszustellen. Die These dieser Ausstellung war im Wesentlichen, dass Luther und die Reformatoren in der Ablehnung aller Bildmagie aus der Negation heraus eine neue Haltung zur Kunst entwickelt haben: Und zwar eine Haltung mit allen Anzeichen der Moderne. Die Kunst soll keine heiligen Inhalte des Religiösen mehr transportieren, sondern sich an ihrem Gebrauchswert prüfen lassen. Das hat dann auch Konsequenzen für die gesamte gestaltete Umwelt: Wird das Symbolische nicht mehr bildlich personifiziert liegt es nahe, großen Wert auf die angemessene Gestaltung der Dinge und Architekturen zu legen (siehe das Shaker-Design, das Bauhaus oder die Hochschule für Gestaltung Ulm). Dabei wird dann auf die systemische Bedeutung der Ordnung durch Zahlen und Proportionen geachtet – in angemessener Größenordnung selbstverständlich. Das führt hier etwas weit, aber es ist doch sehr bezeichnend, dass Luther das Ulmer Münster in seiner Großartigkeit zwar als beeindruckend würdigen konnte, es aber leider sehr unpraktisch fand.
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